Fondsmanagerkommentar Dezember 2017

Fondsmanagerkommentar

Die nachrichtenarmen und damit von nachlassender Handelsdynamik an den Kapitalmärkten  geprägten Tage der Vorweihnachtszeit bieten sich an, sich auch einmal mit Themen abseits konkreter Investitionsentscheidungen zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang wollen wir uns heute dem Thema Volatilität widmen.

Volatilität- das „Angstbarometer“ versagt

Dass sich die Kapitalmärkte in den letzten Jahren, speziell seit der massiven Intervention der Notenbanken, grundlegend verändert haben, wird nicht nur mit Blick auf das Nullzinsumfeld offensichtlich. Die Änderung der Marktverhältnisse hat dazu geführt, dass altbewährte Regeln und Muster nicht mehr funktionieren. So z.B. die Beobachtung der Volatilität als Gradmesser für die Stimmung der Anleger, wo sich bekanntlich Gier und Angst abwechseln. Über Jahrzehnte funktionierte das „Angstbarometer“ als verlässlicher (Kontra-)Indikator: Überwog die Angst, warfen Anleger ihre Wertpapiere auf den Markt, die Volatilität stieg sprunghaft an. Und hatte dabei regelmäßig die Tendenz danach wieder kontinuierlich zu fallen, wenn sich das Sentiment der Marktakteure wieder aufhellte, ehe der Zyklus von neuem begann. 

Doch seit Ende der „Eurokrise“ 2011 ist dieses verlässliche Auf und Ab aus dem Takt geraten. Die Volatilität, die Schwankungsbreite an den Märkten, ist extrem zurückgegangen. Das Jahr 2017 wird als eines der volatilitätsärmsten in die Geschichtsbücher eingehen. Der US-Leitindex S&P 500 schloss in 2017 keinen einzigen Tag mit einem Minus von 2% oder mehr, an gerade einmal acht Tagen fiel der Index um 1% (oder geringfügig mehr). Rücksetzer in der Größenordnung von 5% oder mehr, in den Vorjahren noch regelmäßig zu beobachten, gab es nicht. Dabei ist das Phänomen nicht begrenzt auf eine bestimmte Assetklasse wie unser Chart belegt, der die Volatilität von Aktien (am Bsp. des VIX), Währungen (am Bsp. des JP Morgan Global FX Volatility Index) und Anleihen (am Bsp. des US Treasury Note Volatility Index)  darstellt. Vielfach wird daher gemutmaßt, die Anleger seien zu sorglos und die Volatilität würde alsbald wieder nach oben schießen, sollte sich die Stimmung der Marktteilnehmer eintrüben. Ist das tatsächlich so? Sieht das Gros der Investoren die Kapitalmärkte mit der rosaroten Brille? Wir glauben nein. Denn die Welt ist nicht eben sicherer oder planbarer geworden: Digitalisierung, demografischer Wandel, Automatisierung, Terrorismus, geopolitische Krisen, Protektionismus, Populismus, Klimawandel,..- die Liste der Themen, die zur Verunsicherung taugen, ist lang und beliebig erweiterbar. Doch im Vergleich zu vergangenen Perioden, schlagen sich diese Ängste offensichtlich nicht in den Kursen an den Kapitalmärkten nieder. Wie ist dieser Umstand erklärbar? Warum taugt die Volatilität offensichtlich nicht mehr als Gradmesser für die Emotionen der Investoren? Wir glauben, dass der Transmissionsriemen von Kursen auf die Stimmung zu schließen aus folgenden Gründen gestört ist:
Da wäre zum einen die deutlich verringerte Marktliquidität zu nennen, die für einen agilen Handel mit schwankenden Kursen elementar ist. Im Zuge der voranschreitenden Regulatorik sind Banken als Marktteilnehmer und Bereitsteller von Liquidität kontinuierlich ausgefallen. Die Notenbanken mit ihren Wertpapierankaufprogrammen verstärken den Effekt geringer werdender Marktliquidität zusätzlich. 

Zum anderen sind passive Investitionsformen – bspw. in Form von ETFs oder Indexfonds – ungebrochen auf dem Vormarsch. Diese Vehikel „kopieren“ breite Renten- und Aktienindizes. Die kontinuierliche Nachfrage führt dazu, dass Rücksetzer in den Kursen zeitnah wieder gekauft werden. Diese Entwicklung wird zusätzlich durch den automatisierten Handel (Algorithmic Trading, High Frequency Trading,...) forciert. Obwohl sich eine allgemeingültige Definition dafür bisher nicht etabliert hat und eine Abgrenzung und Feststellung nicht immer ohne weiteres möglich ist, gehen Studien und Schätzungen davon aus, dass inzwischen ein Großteil der Wertpapiertransaktionen auf den automatisierten Handel entfällt. Marktteilnehmer sind also nicht mehr (nur) gefühlsgesteuerte Menschen sondern emotionslos agierende Maschinen. Und zu guter Letzt registrieren wir, dass Volatilität sich selbst zu einer Assetklasse entwickelt hat und dadurch ihre Funktion als Indikator zunehmend verliert. Auf der Suche nach Rendite im Niedrigzinsumfeld suchen Anleger zunehmend nach Auswegen und haben in diesem Zuge auch die Volatilität entdeckt.

Automatismus Mean Reversion?
Wir sehen keinen Automatismus, dass die Volatilität nun innerhalb kürzester Zeit wieder ansteigen „muss“. Schließlich war die Volatilität auch in früheren Zeiten selten ein guter Timing-Inikator. Auch dort gab es längerfristige Phasen niedriger Volatilität, in denen starke wechselseitige Schwankungen um einen Mittelwert (sog. Mean Reversion) ausblieben. Sollten die von uns angestellten Vermutungen richtig sein, ist mit einer sich fortsetzenden Phase geringer Volatilität zu rechnen. Denn der Einfluss der Notenbanken dürfte nur langsam abnehmen, massive Bilanzverkürzungen sind kurzfristig nicht zu erwarten. Trends zu passivem und computergestütztem Investieren dürften sich zudem fortsetzen oder gar verstärken. Das bedeutet jedoch nicht, dass mit niedriger Volatilität ausnahmslos steigende Notierungen verbunden sind. Denn Volatilität macht nicht automatisch Aussagen über die Richtung einer Bewegung. Bei kontinuierlich fallenden Notierungen, ohne impulsive Gegenbewegungen, würde die Volatilität gering bleiben- ein denkbares Szenario, sollten die automatischen Handelsprogramme einmal die Seite wechseln und kontinuierlich verkaufen.
Fazit: In der „neuen Normalität“ für Anleger versagen ehemals verlässliche Muster den Dienst, wie z. B. der (Kontra-)Indikator Volatilität und erfordern vom Anleger Flexibilität, um auch unter veränderten Bedingungen die Anlageziele zu erreichen.
 

Veränderungen innerhalb unserer Fonds:

Der WAVE Total Return Fonds R (flexibler, defensiver europäischer Mischfonds mit absolutem, positivem Ertragsziel) startete mit einer Aktienquote von 10% in den Monat November. Im abgelaufenen Monat variierten wir die Netto-Aktienquote zwischen 0 und 20 %. Die Duration hielten wir bei etwa 0,5 Jahre unverändert.

Der Fondspreis ermäßigte sich im November um 0,17%. 

Im WAVE Total Return Fonds Dynamic R (flexibler, ausgewogener europäischer Mischfonds mit absolutem, positivem Ertragsziel) startete mit einer Aktienquote von 20% in den Monat November. Im abgelaufenen Monat variierten wir die Netto-Aktienquote zwischen -5 und 40%. Die Duration hielten wir bei etwa 0,5 Jahre unverändert.

Der Fondspreis ermäßigte sich im November um 0,57%. 

Im HannoverscheBasisInvest (Investmentgrade-Rentenfonds, Anlageschwerpunkt EUR) setzten wir weiterhin auf ein diversifiziertes Portfolio aus Staatsanleihen, Covered Bonds, Unternehmensanleihen und ausgewählten Bankanleihen hoher Bonität. Die Gewichtung französischer, spanischer und italienischer Staatsanleihen blieb über den Monat konstant, während Unternehmensanleihen weiter reduziert wurden. Die Duration hielten wir – verglichen zur Benchmark – defensiv.

Der Fondspreis stieg im November um 0,40%. 

Das Rentenportfolio des HannoverscheMediumInvest (Mischfonds ausgewogen; Aktien, Anlageschwerpunkt Euro-Länder / Investmentgrade-Renten, Anlageschwerpunkt EUR) besteht weiterhin aus einer Mischung von Staatsanleihen, Covered Bonds, Unternehmensanleihen und ausgewählten Bankanleihen hoher Bonität. Die Gewichtung französischer, spanischer und italienischer Staatsanleihen blieb über den Monat konstant, während Unternehmensanleihen weiter reduziert wurden. Die Duration hielten wir – verglichen zur Benchmark – defensiv. Das Aktienportfolio setzt sich aus liquiden Standardtiteln aus DAX und EuroStoxx zusammen. Im abgelaufenen Monat variierten wir die Netto-Aktienquote zwischen 45 und 55%. 

Der Fondspreis ermäßigte sich im November um 1,01%. 

Der HannoverscheMaxInvest (Aktienfonds, Anlageschwerpunkt Euro-Länder) weist seit Jahresbeginn ein diversifiziertes Aktienportfolio mit Titeln aus DAX und EuroStoxx auf. Im abgelaufenen Monat variierten wir die Netto-Aktienquote zwischen 95 und 105%.

Der Fondspreis ermäßigte sich im November um 2,37%. 

Fondsmanagerkommentar November 2017

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