Kapitalmarktausblick 2020

Leitzinssenkungen, geo- und wirtschaftspolitische Debatten und drohende Handelskrisen: 2019 verlor das Wachstum der Weltwirtschaft an Fahrt. Doch wo geht nun die Reise hin?

WIRTSCHAFTSBERICHT

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung

2019 verlor das Wachstum der Weltwirtschaft weiter an Fahrt. Die Zuwachsrate des globalen Bruttoinlandsproduktes (BIP) lag mit 2,9 % unter ihrem Vorjahreswert von 3,7 %. Insbesondere geo- und wirtschaftspolitische Faktoren, wie die andauernden handelspolitischen Spannungen zwischen USA und China, wirkten sich belastend aus. Das BIP-Wachstum der USA – im Vorjahr noch durch fiskalische Impulse unterstützt – schwächte sich im Jahr 2019 auf 2,3 % ab. Die Diskussionen um den Austritt Großbritanniens aus der Eurozone (Brexit) wirkten zusätzlich dämpfend auf die wirtschaftliche Entwicklung. In Deutschland zeigte insbesondere die vom Export abhängige Industrie Schwächetendenzen. Die Eurozone wies 2019 einen BIP-Wachstumsbeitrag in Höhe von 1,1 % auf. Die Wirtschaftsleistung in Deutschland wuchs 2019 nur mit 0,4 % und lag damit wie im Vorjahr unter dem Durchschnittswert der Eurozone. Die türkische Wirtschaft zeigte nach zahlreichen geldpolitischen Eingriffen Stabilisierungstendenzen. Die Inflation konnte gesenkt, der Währungs-abwertung entgegengewirkt werden.

Die beiden führenden asiatischen Volkswirtschaften, Japan und China, vermeldeten 2019 ein BIP-Wachstum in Höhe von 0,9 % bzw. 6,1 %.

Die Eurozone wies für das Gesamtjahr 2019 eine Inflationsrate in Höhe von 1,2 % aus. Die US-Inflationsrate betrug 1,8 %. Die Kerninflationsrate in der Eurozone – ohne Berücksichtigung von Nahrungsmitteln und Energie – lag zum Jahresultimo bei 1,3 %.

Kapitalmärkte

Die expansive Ausrichtung der globalen Notenbanken beherrschte die Kapitalmärkte im Jahr 2019. Anders als erwartet, senkte die US-Notenbank FED den Leitzins ab Mitte des Jahres drei Mal auf 1,75% nach 2,5% im Vorjahr und stoppte den in den Vorjahren verfolgten Abbau ihrer Bilanz. Die EZB senkte derweil den Einlagesatz und nahm im November den Ankauf von Anleihen im Volumen von 20 Mrd. EUR monatlich wieder auf.

Die europäischen Rentenmärkte wurden von der expansiven Geldpolitik in besonderem Maße beeinflusst. Im Jahresverlauf markierten alle wesentlichen europäischen Rentenindizes Tiefpunkte in der Rendite. 10-jährige deutsche Staats-anleihen verzeichneten in den ersten acht Monaten einen starken Renditerückgang von 0,24% auf -0,72%.  Anfang August handelten auch 30-jährige deutsche Staats-anleihen mit einer negativen Rendite, wodurch kurzzeitig das komplette Angebot an deutschen Staatsanleihen negativ rentierte. Erst ab September kam es zu einer Gegenbewegung an den Zinsmärkten.

Zum Jahresultimo 2019 rentierten 10-jährige Bundesanleihen mit -0,19% um 43 Basispunkte tiefer als zum Jahresende 2018 (0,24%). Bundesanleihen mit Laufzeiten bis zu 15 Jahren wiesen am Jahresende negative Renditen auf. Das sinkende Renditeniveau führte zu einer starken Wertentwicklung von mit Bonitätsrisiken behafteten Rentenanlageklassen, deren Risikoaufschläge deutlich zurückgingen.

Die globalen Aktienbörsen beendeten das Jahr 2019 mit deutlichen Zugewinnen.
Der DAX legte 25,5 %, der EuroStoxx 50 25,4 % zu. Die US-Märkte erreichten neue Allzeithöchststände. Der Dow Jones Industrial gewann 23,7 %, der S&P 500 ging mit einem Plus i.H.v. 30,0 % aus dem Handel.

Der Euro wertete im Jahresverlauf gegenüber dem US-Dollar kontinuierlich von USD 1,15 zum Jahresbeginn auf USD 1,12 zum Jahresultimo ab.

PROGNOSEBERICHT

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung und Kapitalmarkt

Die globalwirtschaftliche Dynamik dürfte in 2020 unter dem Einfluss unsicherer politischer Rahmenbedingungen gedämpft bleiben. Neben dem dominierenden Thema sino-amerikanischer Handelskonflikt stellen der weitere Verlauf des EU-Austritts Großbritanniens (Brexit), der Konflikt zwischen USA und Iran sowie die anstehenden US-Präsidentschaftswahlen im November 2020 Unsicherheitsfaktoren dar. Der Austritt Großbritanniens aus der Eurozone scheint das wahrscheinlichste Szenario. Die erneute Verlängerung der Austrittsfrist wie auch ein ungeordneter Brexit bleiben jedoch mögliche Alternativen. Die Folgen für die Eurozone sind diesbezüglich weiterhin kaum absehbar. Die tatsächliche globalwirtschaftliche Entwicklung wird neben den genannten Faktoren auch unter dem Eindruck der Geld- und Fiskalpolitik stehen.  

Die Inflationsraten werden, angesichts der zu erwartenden konjunkturellen Schwäche, in 2020 voraussichtlich weiterhin unter dem angestrebten EZB-Ziel von 2,0% verharren. Über den Basiseffekt ist allenfalls eine geringfügige Steigerung der Teuerung zu erwarten, da sich die Energiepreise in 2019 erholt haben.

Die Geldpolitik wird sich 2020 im Spannungsfeld zwischen zunehmender Kritik und der Entwicklung der Weltkonjunktur bewegen. Es wird erwartet, dass die geldpolitische Ausrichtung der EZB expansiv bleiben wird. Mit weiteren signifikanten Lockerungs-maßnahmen kann indes nur bei einem Abgleiten in eine Rezession gerechnet werden.

Die europäischen Rentenmärkte werden in Erwartung einer anhaltend expansiven Geldpolitik wahrscheinlich von weiterhin niedrigen Renditeniveaus geprägt sein. Sofern die EZB nicht mit unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen überrascht, dürfte diese Erwartung jedoch bereits weitestgehend in den aktuellen Kapitalmarkt-renditen eingepreist sein. Wirtschaftliche und politische Entwicklungen haben zudem das Potenzial, zu einer heterogenen Entwicklung der diversen Rentensegmente beizutragen. So ist speziell bei mit Bonitätsrisiken behafteten Anlageklassen von einer hohen Sensitivität auf die Konjunktur und den damit zusammenhängenden Ausfallraten auszugehen.

Aktien werden sich 2020 im Spannungsfeld zwischen konjunktureller Schwäche und anhaltend expansiver Geldpolitik entwickeln. Stützend dürfte dabei die relative Attraktivität im Vergleich zu anderen Anlageklassen wirken.

Stand: 31.12.2019 / Quelle: Bloomberg; European Economic Forecast. Autumn 2019; European Economic Forecast. Autumn 2018

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